Das Willkommensgeschenk von Indien am nächsten Morgen war dann gleich erstmal Durchfall. Und das obwohl ich hier ja besonders vorsichtig bin, ich wasche mir ständig die Hände, nehm Flaschenwasser zum Zähneputzen, etc. Zum Glück war das am nächsten Morgen schon wieder OK.
Am ersten Tag bin ich dann entlang einiger Ghats des Ganges gelaufen. Dabei wird man ständig von irgendwelchen Leuten angegquatscht, von denen die meisten versuchen einem irgendetwas zu verkaufen, ne Bootsfahrt, Drogen, etc. Einige sind aber immerhin nur daran interessiert woher man kommt und wie man Indien findet. Leider ist es auf den ersten Blick schwierig die einen von den anderen zu unterscheiden.
Mein Guesthouse ist direkt am Manikarnika Ghat, der großen Feuerstelle, wo die Leichen verbrannt werden. Viele Hindus versuchen hier in Varanasi zu sterben und verbrannt zu werden, da man so dem Kreislauf aus Widergeburten entkommen kann und direkt ins Nirvana geht. An diesem Ghat werden den ganzen Tag Leichen verbrannt. Nach dem kurzen Spaziergang bin ich erstmal zum Bahnhof um mein Ticket nach Delhi zu kaufen. Am Bahnhof gibt es einen speziellen Schalter an dem Kontingente für die meisten Züge für Touristen freigehalten werden. Andernfalls sind die Züge meistens schon Wochen vorher ausgebucht. Ich habe auch nicht die gewünschte Klasse bekommen, sondern eine drunter. Dafür wars super günstig, 306 Rupien, gut 5 Euro für die 12 stündige Fahrt von Varanasi nach Delhi. Verglichen mit China ist das enorm billig. Danach bin ich zum Hauptpostamt um meinen Lonely Planet von Nepal nach Hause zu schicken. Das hieß mal wieder verhandeln mit den Autorickschafahrern. Aber erstaunlicherweise nennen die nicht absolute Mondpreise, den 10-fachen Preis wie erwartet, sondern ungefähr das doppelte. Immer wenn ich dann einen Preis sage lehnen die ab. Sobald man dann aber wegläuft um den nächsten zu fragen akzeptieren die dann doch immer. Während ich dann versucht habe das Paket zu verschicken wurde ich dann mal wieder von irgendwem angequatscht. Der hat mir dann auch geholfen, das Buch verpacken zu lassen und zu verschicken. War also erstmal alles gut. Dann hat er mir noch von irgendeinem Markt, wo Seidenschals etc. produziert und verkauft werden erzählt. Da ich keine wirklichen Pläne hatte und es außer den Sachen am Fluß in Varanasi nicht viel zu sehen gibt, bin ich dann da hin und er ist natürlich mit. Kaum dort hat er mir dann natürlich von seiner Fabrik erzählt, hat mir allen möglichen Seidenkram gezeigt und wollte mir auch was verkaufen. Immerhin habe ich da gelernt wie man Seide von Baumwolle oder Syntetikkram unterscheiden kann. Als ich dann erzählt habe, dass ich drüber nachdenke und morgen wiederkomme war der Markt natürlich nur Montags. Dann hab ich ihn gefragt warum er das nicht täglich verkaufen kann, es ist doch seine Fabrik. Als ich dann gegangen bin war er natürlich angepisst aber egal.
Danach bin ich dann zurück ins Guesthouse. Auf dem Weg dorthin habe ich in einer schmalen Gasse aufeinmal trabende Hufe gehört. Und prompt kamen auch schon ein Bulle und ein Rind angerannt. Ich hab mich dann an die Wand gequetscht und die Viecher sind vorbei. Die Tiere sehen wohl so schlecht, dass die einen einfach überrennen, wenn man nicht aufpasst. Nach dem Mittagessen in einem kleinen Cafe bin ich dann wieder entlang des Ganges. Beim Laufen fällt einem dann erstmal auf wie dreckig alles ist. Ursprünglich habe ich mich ja über Flipflopwetter gefreut. Aber hier werde ich die ganz sicher nicht anziehen. Überall liegt Kuhscheisse rum und dann hab ich ja viele streunende Rinder und Hunde erwartet, aber zusätzlich gibt auch noch haufenweise Ziegen und Affen. Und neben den ganzen Kram von den Tieren sind die Leute hier auch nicht besser. Überall stinkt es nach Pisse und man sieht die ganzen Rinnsale. Und dann läuft man neben einer Mauer und in der Ecke hock einer und scheisst da einfach hin. Dann muss ich immer an die Worte des Engländers in Xian denken: Es ist nicht Indien, das anders ist, sondern du selbst. Damit hat er definitiv recht.
Der Ganges ist hier in Varanasi der Treffpunkt der Menschen. Sie baden dort, putzen sich mit dem Wasser sogar die Zähne, Klamotten und die Bettwäsche der Hotels wird gewaschen. Die Toten werden bestattet und die Bootsfahrer versuchen sich aufzudrängen. Der heilige Fluß halt.
Nach dem Essen hatte ich dann immer noch Magenprobleme, so dass ich dann zurück Richtung Guesthouse bin. An der Feuerstelle wurde ich dann mal wieder angesprochen. Der angeliche Priester hat mir die Rieten die mit der Feuerbestattung zusammenhängen erklärt. Zu dem Zeitpunkt haben dort 6 oder 7 Leichen gleichzeitig gebrannt. Danach hatte er mich natürlich noch nach Geld gefragt; eine Spende für die Armen, damit die Feuerholz bezahlen können. Eine Bestattung kostet hier nämlich um die 4000 Rupien, ca. 70 Euro, was für Indien eine ganze Menge Geld ist. Ich hatte auch irgendwas ähnliches darüber im Lonely Planet gelesen. Da es mir auch nicht wirklich gut ging und ich eigentlich nur schnell zurück ins Guesthouse wollte hab ich dem Typen dann Rupien im Wert von einigen Euros gegeben. Wahrscheinlich wurde ich hereingelegt. Aber ich rede mir einfach mal ein, das richtige getan zu haben. Und naja. Wird halt unter Reiseerfahrung verbucht. Danach habe ich auch gleich an den Trekkingguide in Nepal gedacht. Der hat noch gesagt, dass die Inder superintelligent und sehr kreativ sind, wenn es darum geht Touristen von ihrem Geld zu trennen. Selbst er wird immer wieder hereingelegt, obwohl er fließend Hindi spricht. Ich war dann schon um 5 Uhr zurück und habe ich mich pennen gelegt. Dabei haben sich die Ohrstöpsel, die ich in Nepal gekauft habe als echte Hilfe erwiesen. Ich habe nämlich gleich erstmal 12 Stunden gepennt.
Am zweiten Tag habe ich dann zum Sonnenaufgang eine Bootstour entlang des Flusses gemacht. Das war superinteressant, vor allem da man die ganzen Paläste der Maharadschas vom Fluß noch viel besser sieht. Die Architektur hat sehr viel Kolonialstil, nur leider ist alles ziemlich runtergekommen. Sonst könnte das ein toller Ort zum leben sein. Unser Guide auf dem Boot hat dann einiges über die Geschichte und alles mögliche andere erzählt, unter anderem, dass er das Wasser des Ganges trinkt. Er bekommt davon nocht nicht mal Magenprobleme. Kann ich mir gar nicht vorstellen, vor allem da der Ganges einer der am meisten verschmutzen Flüsse der Welt. Hier treiben ja auch die Leichen der Leute, die nicht verbrannt werden (Priester, Schwangere, Kinder, etc). Um diese wird nach dem Tod einfach ein großer Fels mit einem Seil gebunden und in der Mitte des Flußes versenkt.
Am Nachmittag bin ich dann mit einem Engländer, den ich im Jeep nach Varanasi getroffen habe, zum alten Fort am Ende der Stadt gelaufen. Dabei sind wir wieder die ganzen Ghats entlanggekommen und wurden natürlich ständig angequatsch, unter anderen ob wir Boote, Seidenkram oder Drogen haben wollen. Das interessante war dann aber als wir weiter südlich waren, wo keine Ghats sind und die Touristen nicht hinkommen. Die Menschen dort leben in sehr ärmlichen Verhältnissen, sind aber super freundlich. Ständig wird man von Kindern angesprochen, die ein Foto wollen. Und danach fragen die nicht nach Geld, die wollen einfach nur ihr Bild auf dem Display sehen. Für meinen nächsten Trip muss ich mir daher unbedingt einen kleinen mobilen Fotodrucker kaufen, so dass ich Bilder vor Ort für die Menschen drucken kann. Danach sind wir mit einem Boot zurück, eigentlich passend zum Sonnenuntergang. Leider war es aber bewölkt, so dass es nicht ein tolles Licht für Fotos war. Nach dem Abendessen sind wir dann aus dem Restaurant raus und uns kamen leicht verwirrte Menschen, teilweise mit Tränen in den Augen entgegen. Kurze Zeit später wussten wir dann auch warum; es gab einen Bombenanschlag auf ein Fest, an einem der meistbelebten Ghats. Wir sind dann auch zeitig zurück ins Hotel, da dies ein relativ sicherer Ort ist.
Den nächsten Tag habe ich es dann wieder ruhig angehen lassen, auch da ich in Varanasi mit den Ghats und dem Fort alles wichtige gesehen habe. Ich habe dann nochmal die Nachrichten gecheckt, aber in den deutschen Medien stand nichts von dem Anschlag, nur bei der BBC und in den indischen Medien. Es ist ein einjähriges Kind gestorben und 35 Menschen wurden verletzt. Bevor ich zum Bahnhof bin hab ich nur noch gepackt und mein Buch weiter gelesen. Um 17.00 Uhr wollte ich dann los Richtung Bahnhof. Aber als ich mein Gepäck holen wollten hatten die den Schlüssel von dem Gepäckraum verlegt. Nach ewigem Suchen haben die dann das Schloss aufgebrochen und ich konnte mein Gepäck haben. Das erwies sich aber als Glücksfall, da ich in der Zeit mit nem Mädel über das Visa für Vietnam gesprochen habe und die meinte, dass man das alles online machen kann und dann per Email einen Brief bekommt mit dem man am Flughafen ein visa-on-arrival erhält. Ich kann mir also den Gang zu Botschaft sparen. Mit meinem Gepäck habe ich mich dann natürlich wieder in den kleinen Gassen verlaufen, und das obwohl ich vorher den Weg noch abgelaufen bin. Trotzdem habe ich dann einigem Fragen den Autorickschastand gefunden und mich nach kurzer Verhandlung auf dem Weg zum Bahnhof gemacht. Da ich genug Puffer eingeplant hatte musste ich noch 20 Minuten auf die Einfahrt des Zuges warten. Ich hab dann mein Abteil auch gleich gefunden und erstmal meinen Rucksack festgekettet. Danach kamen auch die anderen Reisenden. In meinem Abteil waren nur Ausländer. Wobei man das nicht wirklich Abteil nennen kann, da wieder alles offen war. Kurz nach der Abfahrt kam dann jemand von der Touristenpolizei und hat uns einen Zettel mit Sicherheitshinweisen gegeben. Fand ich sehr gut.
Die günstige Klasse erwies sich am Ende als völlig ausreichend, auch wenn es manchmal ein wenig kalt wurde. Richtig gut geschlafen hab ich wegen dem vielen Lärm und den entgegenkommenden Zügen dann auch nicht. Am nächsten Morgen kamen wir dann mit ca. 3 Stunden Verspätung in Delhi an und ich bin gleich los zur Hotelsuche. Meine erste Wahl aus dem Lonely Planet hatte auch gleich noch ein Zimmer frei, so dass ich alles relativ schnell erledigt hatte.
wow... das hoert sich alles superinteressant an, was du dort in so wenigen tagen erlebt hast. freut mich :)
AntwortenLöschenund das mit dem mobilen fotodrucker find ich eine schoene idee :)
und sei froh, dass von dem anschlag nichts in deutschland zu hoeren war - oma macht sich bestimmt auch so schon genug sorgen :P pass auf dich auf!
viel spass noch!
viele liebe gruesse, nadine