Mittwoch, 22. Dezember 2010

Halbzeit

Mittlerweile ist mehr als die Hälfte meiner Reisezeit vorüber und ich hätte nie gedacht, wie anstrengend Reisen sein kann. Ich hatte mir das ja eher so entspannt vorgestellt, wie ein zweiwöchiger Sommerurlaub. Nur ist es leider nicht so. Vor allem da ich immer nur einige Tage an einem Ort verbringe sitze ich ständig auf gepackten Koffern und bin immer auf dem Sprung. Und in der knappen Zeit will man dann ja auch noch die wichtigsten Sehenswürdigkeiten sehen. Vor allem da man es nicht gewöhnt ist so viele Eindrücke zu verarbeiten. Ich freue mich auf jeden Fall erstmal auf die kommenden 5 Nächte in Goa, wo ich erstmal in Ruhe entspannen werde.
Gut an der Reise ist aber auf jeden Fall, dass man mal wieder auf dem Boden der Tatsachen zurückgeholt wird. Nicht alle Menschen haben es so gut wie man selbst und vor allem nicht all die Dinge, die mir vorher wie selbstverständlich vorkamen. Erst auf der Reise lernte ich diese Sachen, wie sauberes, trinkbares Leitungswasser, eine Heizung, 24h am Tag Strom, vernünftige Straßen dann erst mal richtig zu schätzen. Ich muß da immer wieder an Tingri, das Dorf auf dem Weg von Tibet nach Nepal denken. Dort gibt es keine Heizung und kein fließend Wasser und als wir dort angekommen sind, haben wir uns irgendwie über die Zustände in dem Guesthouse aufgeregt, aber die Menschen dort leben so jeden Tag. Mir tut das nach den ganzen 4 und 5 Sterne Hotels und den 1. Klasse Bahnfahrten auffer Arbeit glaub ichmal ganz gut.
Und bisher habe ich mich auch gut geschlagen. Von vielen anderen Travellern habe ich gehört, dass die immer einige Tage hatten an denen es ihnen teilweise richtig schrecklich ging, mit 20 oder mehr mal aufs Kloh und gleichzeit auch immer nen Eimer zum kotzen im Arm. Da habe ich mit meinen 2 Tagen krank (einen in Lhasa und einen in Mumbai) doch wirklich Glück gehabt. Zumal es mir nie so richtig schlecht ging, sondern ich einfach mal nen Tag Ruhe brauchte. Zwar habe ich schon fast 5 Kilo Gewicht verloren, aber das passiert ja vielen Rucksackreisenden. Auch wenn die am Anfang ihrer Reise in der Regel doch immer zu viel auf den Rippen haben. Bei mir gibts eigentlich gar nicht mehr viel, was ich noch verlieren kann. Und Essen tu ich auch ganz normal.Naja, muss ich halt weiterhin ein Auge drauf haben, aber solange ich mich noch gut fühle passt schon alles. Nach meiner Rückkehr heißt es in Deutschland dann erstmal wieder im Fitnessstudio Gewichte zu stemmen um wieder auf mein vorheriges Gewicht von um die 60 Kilo zu kommen, ggfs auch mehr.
Was ich aber gar nicht wirklich wissen will, ist wieviele Schadstoffe ich eingeatmet oder über die Haut aufgenommen habe. China war ja total versmogt und Indien ist jetzt auch nicht besser. Als ich in Mumbai losgeflogen bin habe ich aus dem Fenster geschaut, um zu sehen wie wir die Wolkendecke durchfliegen. In der Trockenzeit gibt es aber keine Wolken. Was wir dann aber durchflogen haben war der Smog. Und man konnte auf einmal wirklich sehen, wie man über dem Smogteppich flog und dann in Goa wieder in diesen eingetaucht ist. Vielleicht sollte ich später einfach mal mein Blut auf Schadstoffe checken lassen. Vor allem wenn ich immer sehen wie meine Taschentücher abends nach dem Naseputzen aussehen, alles schwarz.
Bisher ist die Reise aber echt super. Ich freue mich zwar irgendwie schon wieder auf ein geregeltes Leben sobald ich wieder zuhause bin. Aber ich ja noch hoffe, dass Südostasien doch ein wenig entspannter zu bereisen sein wird. Ich habe mir mit China und Indien ja die schweren Länder an den Anfang gelegt. Trotzdem wird mein nächster Trip wohl eher nur 3 Monate anstatt 6 Monate dauern, denn eine längere Reise werde ich in ein bis zwei Jahren auf jeden Fall wieder starten. Und die viele Zeit, um mal in Ruhe ein Buch zu lesen werde ich bestimmt vermissen. Ich muß daheim aber auf jeden Fall versuchen nicht wieder dazu überzugehen, große Teile des Tages mit sinnlosen rumgesurfe im Netz zu verbringen :D

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