Mittwoch, 17. November 2010

Von Tibet nach Nepal


Wie im vorigen Post geschrieben, startete der Zug nach Tibet am 09.11. um 21 Uhr abends. Das war ganz angenehm, da ich nach dem Bezug des Abteils quasi gleich pennen konnte. Am nächsten Tag ging es dann weiter durch China. Dabei gab es aber nicht viel zu sehen, so dass ich mein Buch fertig lesen konnte. Am späten Nachmittag haben wir dann Xining erreicht, den Startpunkt der relativ neuen Eisenbahnstrecke nach Tibet. Leider wurde es dann schnell dunkel und man konnte die Landschaft nicht genießen. Am späten Abend wurden dann aber noch die Schläuche für die Sauerstoffzufuhr verteilt. Da die Bahn teilweise über 5000m fährt gibt es überall Dosen aus denen zusätzlicher Sauerstoff kommt, falls man die Höhenkrankheit bekommt. Mir ging es da noch relativ gut, wobei ich die Höhe durch ganz leichte Kopfschmerzen schon gespürt habe.
Am nächsten Morgen war die Aussicht dann wirklich toll. Es sah ein bisschen aus wie in der Mongolei; Steppe mit einzelnen schneebedeckten Gipfeln, auch wenn die Berge hier ein wenig höher waren. Zwischendurch zeigte die Anzeige im Zug dann 5000m über dem Meeresspiegel an, fiel dann aber wieder auf ca 3700m beim erreichen von Lhasa. In Lhasa wurden wir dann vom Guide abgeholt. Das Fahrzeug war dabei schon abenteuerlich, ein winziger Van mit 10 Sitzplätzen aber keinem Platz für das Gepäck. Dafür gibts dann nen Dachgepäckträger. Zum Glück ist das Wetter gut. Im Hostel wurde es dann interessant. Nur ein Teil der Gruppe hatte Zimmer reserviert. Und da es keine Betten in den Dorms mehr gab wollten die 2 Franzosen dann in ein anderes Hostel. Das hat dann dazu geführt, dass wir alle den Preis für die Dorms bezahlt haben, aber jeweils zu zweit in 3-Bett Zimmer einquartiert wurden. Also super und günstig. Da es dann schon später Nachmittag war gab es nur Abendessen und sonst keine Aktivitäten. Wir sollten die Zeit nutzen um uns an die Höhe zu gewöhnen.
Am nächsten Morgen haben wir dann das Frühstück, welches in den 2,60€ für ein Bett pro Nach sogar mit drin war probiert. Dieses war aber nicht sehr toll, so dass es am Tag drauf eine Alternative geben muss. Nach dem Frühstück sind wir ein wenig durch die Stadt gelaufen. Unser Guide meinte dann, dass es sich bei vielen Sehenswürdigkeiten nicht lohnt den Eintritt zu bezahlen, da das Geld an die chinesische Regierung geht. Er hat uns dann in das Tibetische Museum gebracht, wo er es irgendwie hinbekommen hat, dass wir keinen Eintritt bezahlen mussten. Nach dem Mittagessen bin ich dann einfach ein wenig durch die Stadt gelaufen und habe versucht Sonnencreme und Deo zu kaufen. Sonnencreme hat noch ganz gut in einer Apotheke geklappt, wobei man die Packungen genau lesen muss, denn viele Sonnencremes enthalten zusätzliche Hautaufheller, weil es in Tibet wohl mode ist möglichst blass auszusehen. Die Suche nach Deo stellte sich als Herausforderung dar. Ich war bestimmt in 6 verschiedenen Läden, die wie kleine Drogerieen aussahen, aber erst in der letzten hatten die Deo. Ich frage mich, was die Chinesen immer machen.
Ansonsten ist Lhasa eine sehr nette Abwechslung. Die Stadt hat ungefähr 500,000 Einwohner und ist somit nicht so riesig wie die anderen Städte, die ich bisher in China besucht habe. Außerdem ist die Luft wesentlich besser und man sieht den ganzen Tag die Sonne.
Am nächsten Morgen ging es mir nicht wirklich gut. Ich hatte irgendeine Mischung aus Höhenkrankheit, Erkältung und Magen- Darmproblemen. Ich bin dann trotzdem erstmal mit die Sehenswürdigkeiten anzuschauen, habe aber relativ früh gemerkt, dass ich nicht wirklich fit bin. Daher habe ich den ganzen Nachmittag im Bett im Hostel verbracht. Da die Zimmer unbeheizt waren (es gab zwar eine Zentralheizung, diese wird aber wohl erst ab Januar genutzt) wollte ich eine elektrische Decke. Leider waren beide, die ich bekommen habe defekt, so dass wir am Ende einen kleinen Heizlüfter für unser Zimmer bekommen haben. Das machte die Nacht auch gleich viel angenehmer. Am Abend konnte ich dann noch kurz das Laptop von meinem Zimmergenossen nutzen. Da er ein VPN Dienst nutzt konnte ich so meinen Blog updaten und mal wieder bei Facebook reinschauen.

Am nächsten Morgen ging es dann gegen 8.30 Uhr mit der eigentlichen Tour los. Wir wurden vom Fahrer abgeholt und saßen dann auch mehr oder weniger den ganzen Tag im Auto. Dabei haben wir einige Sehenswürdigkeiten angeschaut. Mit der Zeit wurde mir dann der Guide immer sympathischer. Zum einen hat er es vermieden, dass wir die 40 Yuan für den komischen See bezahlen mussten. Dieses Eintrittsgeld ist aber auch wirklich unverschämt, und zum anderen hat er uns in dem einen Tempel darauf hingewiesen, dass wir vorsichtig mit den Fotos seinen sollen, da man normalerweise eine extra Gebühr bezahlen muss. Nachdem wir fast den gesamten Tag im Auto verbracht haben sind wir dann am Abend in Shigatse angekommen. Hier war die Hotelempfehlung des Lonely Planets schon ausgebucht. Dies stellte sich als Glückfall heraus, da wir dann in das Hotel sind, in dem die Reiseagentur normalerweise ihre Gäste unterbringt. Hier haben wir ein echt schickes Doppelzimmer (das beste Zimmer während meiner bisherigen Reise) für 100 Yuan (ca. 11 Euro) bekommen. Beim anschließenden Abendessen hat uns der Guide auch erzählt, warum er unter anderem die schlechte Meinung von der Regierung hat: Für Tibeter ist es fast unmöglich einen Reisepass zu bekommen. Er hat es selber schon versucht, wurde aber abgelehnt. Dadurch kann er noch nicht mal ins Nachbarland Nepal.
Am nächsten Tag haben wir uns dann zum Frühstück im Hotel getroffen, dieses war in den 11 Euro nämlich sogar mit drin. Leider ist mir das Frühstück nicht ganz so gut bekommen. Mein Körper hat sich wohl noch nicht ganz an die Höhe gewöhnt. Da ich mich so schlecht fühlte wollte ich dann in einer Apotheke etwas gegen Magenprobleme haben. Dort wurden mir dann 3 Packungen für insgesamt 40 Yuan verkauft. Zum Glück hatten wir eine Pharamzeutin in der Gruppe, die konnte nämlich das eine gleich als ziemlich starkes, in Europa verschreibungflichtiges, Antibiotika identifizieren. Das habe ich dann prompt zurückgegeben. Leider hatten die dort nicht die Wirkstoffe, die sie kannte. Naja, danach sind wir ins Auto und weiter gings. Kurze Zeit später habe ich dann erstmal mein Frühstück wieder rausgekotzt und prompt ging es mir viel besser. Dadurch habe ich dann die Medikamente nicht nehmen müssen. Ist bestimmt auch besser. Wer weiß was da drin war.

Wir sind dann weiter Richtung Tingri, einem kleinen Dorf auf dem Weg zur Grenze. Dabei sind wir an verschiedenen kleineren Dörfern vorbei. Und hier sah die Welt doch ein wenig anders aus. Der Wohlstand, wie er sich zum Teil in den großen Städten zeigt ist hier noch nicht angekommen. Viele Menschen sind sehr arm, man sieht eigentlich keine Autos (von den Touris und der viel zu präsenten Polizei mal abgesehen). Es gibt wenn überhaupt Motorräder oder kleine Traktoren. Man sieht aber immer wieder auch Pferdegespanne. In Tingri angekommen, war die Pension dann doch sehr einfach gehalten. Es gab dort kein fliessend Wasser und die Räume waren mal wieder unbeheizt. Aber gut, für eine Nacht ist das vollkommen ok. Man sieht dann aber schon wie verwöhnt man doch ist, denn die Einheimischen leben so das ganze Jahr.
Der Tag darauf war eigentlich der vorletzte auf unserer Tour und sollte uns in die chinesische Grenzstadt bringen. Wir sind dann morgens nach dem Frühstück los. Auf dem Weg gab es keine eigentlichen Sehenswürdigkeiten, "nur" die grandiose Landschaft und ständige Passkontrollen. Das führte dann dazu, dass wir nachmittags in der Grenzstadt ankamen.
Und da diese Stadt nicht wirklich toll aussah, wie auch das mögliche Gasthaus, haben wir uns spontan entschieden direkt zum Grenzübergang und somit nach Nepal zu gehen. Wir haben das dann gerade rechtzeitig vor Schließung des Grenzübergangs geschafft. Da Nepal zweieinviertel Stunden zurückliegt waren wir dann um 17 Uhr mit den Formalitäten fertig. Da die 2 Franzosen dann am nächsten Morgen weiter per Anhalter wollten hat sich unsere Gruppe aufgeteilt. Die anderen 6 inkl. mir sind dann direkt weiter nach Kathmandu. Da wir aber relativ spät dran waren, gab es leider ein eklatantes Missverhältnis zwischen unserer Nachfrage nach Transport und dem dortigen Angebot. Wir haben dann jeder 1000 Rupien, ungefähr 10 Euro für die Fahrt nach Kathmandu bezahlt. Zwischen einem Drittel und der Hälfte zuviel. Aber naja, was will man machen. Die Fahrt war dann ziemlich abenteuerlich, vor allem was die Straßenverhältnisse angeht. Waren wir auf der chinesischen Seite vernünftige, wenn auch manchmal reparaturbedürftige Strassen gewöhnt, sah es Nepal eher nach teilasphaltierten Feldwegen aus, über die sich Offroadfahrer gefreut hätten. Nach einer gefühlten Ewigkeit, es war nicht wirklich bequem mit 7 Leuten in einem Geländewagen und vielen Polizeikontrollen, waren wir dann endlich in Kathmandu, im Stadteil Thamel, dem touristischen Zentrum. Wir haben dann nach etwas suchen mittels Kompass und der Karte im Lonely Planet das empfohlene Hotel gefunden. Leider ist hier jedoch immer noch Hauptsaison, so dass dies für die nächsten vier Tage ausgebucht war. Man konnte uns aber ein anderes Hotel, keine 5 Minuten zu Fuß empfehlen. Hier waren zum Glück auch noch 3 Zimmer verfügbar. Diese sahen gut aus und der Preis von 13,5 € für ein Doppelzimmer war auch in Ordnung, zumal das Hotel auch kostenloses, wenn auch sehr langsames, Internet hat.

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